Wie sich die Green Devils um betroffene Soldaten kümmern

Die Green Devils Military Brotherhood wurde 2014 gegründet und ist ein Veteranen-Club, der vor allem aus Bundeswehrveteranen und Zeitsoldaten besteht. Ziel der Green Devils ist es, Soldaten und deren Familienangehörige mit einsatzbezogenen Belastungen (PTBS), sowie Veteranen, die unfreiwillig in schwierige Lebenssituationen geraten, sind in den unterschiedlichsten Fragen zu unterstützen.

Die Green Devils vor dem Vereinsheim in Neu Fahrland. Foto: privat

Betroffene Kameraden brauchen Unterstützung

„Betroffene Soldaten sind immer wieder auf sich alleingestellt, wenn man bei ihnen u.a. eine Posttraumatische Belastungsstörung feststellt“, erzählt Michael Gebel, dem Potsdamer. Der 57-jährige Veteran ist seit 1981 Soldat und war in Auslandseinsätzen, ist Leiter des Chapter East der Green Devils und ausgebildeter Moderator für Einsatzrückkehrerseminare, PEERR (PSNV), Lotse und Truppenpsychologiefeldwebel bei der Bundeswehr.
„PTBS hat eine Vielzahl von Erscheinungsformen und muss nicht immer unmittelbar nach den Erlebnissen zutage treten. Manchmal bleibt das Trauma so lange im Verborgenen, bis ein plötzlicher Impuls oder Trigger das Trauma aktiviert und das Verhalten der Betroffenen völlig verändert. Das kann ein Bild, ein Geräusch oder ein Geruch sein. Manchmal kommt es vor, dass ein Soldat gar nicht weiß, dass er ein Trauma hat und wird von der Wirkung eines Reizes selbst überrascht und verunsichert. Ähnlich wie mit einer Krankheit, die man erst bemerkt, wenn sie nach außen hin sichtbar wird“, erzählt Gebel.
Die Betroffenen zu unterstützen, sei für alle Mitglieder der Green Devils eine Herzensangelegenheit, so Gebel, weil die meisten selbst Veteranen seien und viele Situationen selbst erlebt hätten. Aus diesem Grund brächten sie ein besonderes Verständnis mit.
„Ein von PTBS betroffener Soldat muss in der Regel selbst schriftlich nachweisen, dass er in einen Vorfall involviert war, der die entstandene Belastung ausgelöst hat. Und die Dokumentation eines Vorfalls ist immer im Nachhinein sehr schwierig, und unmöglich, wenn es sich um Erlebnisse geht, deren Traumatisierungsmoment viele Jahre her ist. Der Betroffene muss also einen Zusammenhang mit der Traumatisierung während des Bundeswehrdienstes nachweisen, was jedoch sehr schwierig ist, denn oft treten die Symptome lange Zeit nach den Vorfällen auf und machen sich häufig nur schleichend bemerkbar. Hier ist eine Anerkennung einer Wehrdienstbeschädigung und eine Wiedereinstellung in die Bundeswehr wünschenswert“, wünscht sich Gebel.
Es gibt bereits viele Angebote anderer Institutionen. Die Green Devils möchten sich jedoch darin unterschieden, dass sie für die Betroffenen und ihre Familien ein breiteres Angebot an Unterstützungen anbieten.
„Wir sind sehr gut vernetzt und suchen uns unsere Partner und Unterstützer selbst aus. Unser Netzwerk inkludiert Heilpraktiker, Ärzte, Psychologen und Psychotherapeuten, Anwälte und viele andere, um eine möglichst umfassende Unterstützung anbieten zu können“, so Gebel. Dabei haben die Green Devils natürlich keine therapeutischen Ansprüche, sondern verstehen sich primär als Ansprechpartner, Zuhörer, Vermittler und Kamerad.

Kameraden bedanken sich für die Süßigkeiten.

Füreinander da sein

Auch wenn der Fokus auf der Unterstützung einsatzerfahrener Soldaten liegt und mittlerweile für alle Mitarbeiter von Blaulichtorganisationen erweitert wurde, können und wollen die Green Devils durch ihr breites Netzwerk auch anderen Betroffenen helfen.
„Der Betroffene sucht sich seine Ansprechpartner selber aus. Wir sind also lediglich eine weitere Möglichkeit der Anlaufstationen, die Unterstützung anbieten. Wir möchten eine kleine und gut ausgebildete Organisation sein und bleiben, um die Menschen schnell und flexibel unterstützen zu können“, sagt Gebel, der weiß, wie oft Menschen ohne eigenes Verschulden in Notsituationen gelangen und nicht immer die passende Unterstützung finden.
Um auch fachlich immer auf dem Laufenden zu bleiben, sorgen die Green Devils regelmäßig für interne Aus- und Weiterbildungen in den Bereichen Einsatzbelastung und Support. Zusätzlich tauschen sie sich mit anderen Organisationen aus und arbeiten mit einigen projektbezogen zusammen.
Steht man mit diesen Organisationen nicht in einer Art Konkurrenz, wollte der POTSDAMER wissen. „Ganz im Gegenteil. Uns geht es in erster Linie um den Menschen, dem geholfen werden muss. Dabei ist es egal, wer ihm wann und wie hilft. Die Hauptsache ist, dass ihm geholfen wird. Häufig ist es auch so, dass erst durch die Zusammenarbeit von Organisationen Unterstützung möglich wird“, weiß Gebel aus Erfahrung.
„Leider zeugt auch das Verhalten von Vorgesetzten und Dienststellen nicht gerade von einem großen Verständnis den Rückkehrern gegenüber. Viele betroffene Veteranen haben es schwer und finden nicht die notwendige und passende Unterstützung“, bedauert Gebel. „Hier setzt unsere Arbeit an. Wir setzen uns für die Belange unserer Soldaten und anderer Betroffener ein. Unterstützen sie dabei Anträge zu stellen, ihre Rechte einzufordern, und vermitteln ihnen dank unseres Netzwerkes Spezialisten, die sie optimal beraten und betreuen.“
Gebel fordert ein Umdenken in der Gesellschaft, weil der Soldat noch ein zu schlechtes Image habe. „Wir Soldaten mögen auch keinen Krieg. Wir sind eine reine Parlamentsarmee. Die Volksvertreter schicken uns in den Einsatz, und niemand kommt als der zurück als der in den Einsatz gefahren ist. Wir alle machen Erfahrungen, die man nur im Einsatzgebiet machen kann. Alle sind prägend! Manche traumatisierend und so furchtbar, dass man sie allein nicht bewältigen kann. Aus diesem Grund darf man Rückkehrer nicht abschieben, sondern sollte ihnen Tribut zollen, sie auffangen und dafür sorgen, dass sie wieder in ihre gewohnten sozialen Strukturen zurückfinden und ein selbstbestimmtes Leben führen können. Nicht nur das soziale Umfeld, auch das berufliche muss dem Soldaten die Integration erleichtern, denn zurzeit gibt es zu viele Hürden, die zu nehmen sind und zu wenige Angebote. Auch dafür setzen wir uns ein“, so Gebel.

Soziales Engagement

Doch ihr Engagement, mit dem sie als Veteranen-Club versuchen, die entstandene Not und das damit verbundene Leid der Betroffenen und ihrer Familien ein wenig zu lindern, geht weit über das Angebot von Gesprächen oder die Vermittlung von Spezialisten hinaus. Die Green Devils engagieren sich stark für soziale Projekte. In Kooperation mit der Organisation „Gemeinsam stark mit unseren Soldaten“ schickte man in diesem Sommer mehrere Hundert Pakete Süßigkeiten in verschiedene Einsatzgebiete, wie z.B. nach Mali und in den Kosovo, um ein Zeichen der Anerkennung sowie des kameradschaftlichen Füreinander zu senden. Die Empfänger bedankten sich herzlich für die gelungene Aktion und freuten sich sehr über die willkommenen Naschereien.
Am 15.12.2018 organisieren die Green Devils in einem Berliner Obdachlosenheim eine Weihnachtsfeier und überreichen den bedürftigen Familien Geschenke. In der Einrichtung soll auch ein Notfallzimmer für Veteranen fest installiert werden, damit diese immer eine Anlaufstation finden.

Michael Gebel, Leader Chapter East der Green Devils

„Die Volksvertreter schicken uns in den Einsatz, und niemand kommt als der zurück als der er in den Einsatz gefahren ist.“ Michael Gebel, Leader Chapter East der Green Devils

Unterstützung

Der Ausbau des Angebotes der Green Devils läuft bereits auf Hochtouren. In kürze werden die vier sogenannten Chapter (North, West, East, South) ans Netz gehen, um deutschlandweit agieren zu können. Bereits jetzt schon kooperieren die Green Devils mit Organisationen wie UNITER e.V., „Gemeinsam stark mit unseren Soldaten“, dem Projekt „Unvergessen“ und vielen anderen.
Einmal im Monat findet in dem Neu Fahrländer „Vereinsheim“ ein Treffen statt, bei dem sich Mitglieder und Betroffene austauschen und interessierte Unterstützer willkommen sind. Von hier aus werden auch gemeinsame Aktionen organisiert. Unterschiedliche Sportangebote, Gruppenausflüge, Feiern oder andere Events sollen das Gemeinschaftsgefühl stärken und Betroffene dabei unterstützen, ihre Traumata zu bewältigen.
Die Green Devils finanzieren sich selbst und werden sekundär durch sogenannte „Supporter“, bestehend aus Unternehmen und Privatpersonen, in ihrem Engagement unterstützt.
„Mitglied und/oder Supporter kann jeder werden. Und man muss nicht Mitglied sein, um von uns Rat und Hilfe zu erfahren“, so Gebel. Wer die Arbeit der Green Devils unterstützen möchte, kann auf www.green-devils-mb.de weitere Informationen finden.

sts