Gastronom erwägt rechtliche Schritte wegen Verleumdung

Dem Pächter des bekannten Marquardter Gasthauses „Zum Alten Krug“, Michael Schulze, reicht es bald. Immer häufiger werde er auf diffamierende Anschuldigungen angesprochen, müsse sich rechtfertigen und ungerechtfertigte Vorwürfe mit Belegen ausräumen. Aufgrund unwahrer Behauptungen, die der Ortsvorsteher Peter Roggenbuck verbreiten soll, erwägt Schulze, diesen nun anzuzeigen.

Hintergrund der Behauptungen

Schulze betreibt – mit Unterbrechung – einen Wohnmobilstellplatz neben seinem Restaurant. Allerdings noch ohne offizieller Genehmigung. Weil der Oberbürgermeister, Mike Schubert, Schulze im August 2019 bei einer Ortsbegehung gesagt haben soll, dass er den Stellplatz erst einmal weiterbetreiben könne und man schon eine Lösung dafür fände, habe sich Schulze darauf verlassen. Von einer einvernehmlichen Lösung ist man jedoch weit entfernt. Der zuständige Fachbereich der Verwaltung hat Schulze die Nutzung des Stellplatzes bereits untersagt und ein Zwangsgeld von 3.000 Euro angeordnet. Gegen beides klagt Schulze mittlerweile.

Michael Schulze vor seinem Restaurant in Marquardt
Foto: sts

Vorwürfe des Ortsvorstehers

Noch 2017 ist der Ortsvorsteher von Marquardt, Peter Roggenbuck, mit Schulze gemeinsam zum Planungsbüro der Stadtverwaltung gegangen und hat Schulze bei den Plänen für den Wohnmobilstellplatz unterstützt. Heute ist die Stimmung zwischen beiden nicht mehr so gut. Roggenbuck wirft Schulze Steuerhinterziehung, die illegale Entsorgung von Abwasser, illegal durchgeführte Baumaßnahmen, die Nutzung nichtangemeldeter Gästezimmer und einiges mehr vor. Die Behauptungen Roggenbucks hätten laut Schulze inzwischen so zugenommen, dass sie geschäftsschädigend seien und nicht nur seinen persönlichen Ruf in Misskredit brächten.
Roggenbuck selbst sagt dem POTSDAMER, dass er die Eröffnung des Wohnmobilstellplatzes durchaus begrüße. Allerdings erwartet er, dass sich Schulze an den rechtlich korrekten und formalen Weg halte, den die Stadtverwaltung vorschreibe. Das hieße für Schulze, dass er erst mit einer Genehmigung in etwa vier bis fünf Jahren rechnen kann. „Wenn Schulze nicht so lange durchhält, wird sich schon ein anderer Pächter finden, der das Restaurant ordentlich führt“, so Roggenbuck. Schulze sei seines Erachtens ein schlechter und fauler Unternehmer, da sei es auch kein Wunder, dass er finanzielle Problem habe. Von Unterstützung kann nach diesen Aussagen wohl kaum mehr eine Rede sein.

Vorwürfe gegen den Ortsvorsteher

Peter Roggenbuck, Marquardts Ortsvorsteher Foto: privat

Ein Zwischenfall mit Gästen des Wohnmobilstellplatzes aus dem Ausland im vergangenen Jahr könnte Roggenbucks Position zum Stellplatz geändert haben. „Wir hatten Engländer zu Gast, die sich nicht besonders gut benommen haben. Nachdem wir sie aber auf ihr Fehlverhalten hingewiesen haben, war alles wieder in Ordnung“, schildert Schulze den Vorfall. Seit dieser Zeit seien die „Hetzereien“ Roggenbucks gegen Schulze aber stärker geworden.
Auch andere Marquardter haben nach eigenen Aussagen dem POTSDAMER gegenüber schlechte Erfahrungen mit dem Ortsvorsteher gemacht. So soll Roggenbuck mehrmals versucht haben, diese der Verwaltung gegenüber zu denunzieren, mit Anzeigen gedroht, wiederholt Hausfriedensbruch begangen und vermehrt Unwahrheiten verbreitet haben. „Wer nicht für ihn ist, ist gegen ihn“, sagt einer der Marquardter, die namentlich nicht genannt werden wollen, dem POTSDAMER. Roggenbuck sieht das anders: „Als gebürtiger Marquardter gehe ich mit offenen Augen durch den Ort. Mein Ziel ist es, den Ort für alle Generationen lebenswert zu machen und miteinander – nicht gegeneinander – zu gestalten“, sagte Roggenbuck dem POTSDAMER bereits kurz nach seiner Wiederwahl zum Ortsvorsteher 2019. Er habe nicht die Interessen des Ortsteils, sondern nur seine eigenen im Blick, heißt es von mehreren Marquardter Bürgerinnen und Bürgern, die ihn seit vielen Jahren kennen.

Marquardt wird für Potsdam immer wichtiger

Durch das große Erschließungsvorhaben der Stadt nimmt Marquardt in Zukunft eine Schlüsselposition ein. Nicht nur der Ausbau des Bahnhofes und der P+R-Parkplatz sind hier geplant. Zusätzlich wird darüber nachgedacht, die Tram-Trasse bis nach Marquardt weiterzuführen. Ebenso sollen mehrere Hektar Bauland ausgewiesen werden, um neuen Wohnraum zu schaffen. Dabei soll der Großteil von der Stadt selbst entwickelt werden. Hier ist auch die Unterstützung des Ortsbeirates gefragt. Aufgrund dessen hat Roggenbucks Stimme in der Verwaltung Gewicht.

Einigung möglich

Der Ortsbeirat stehe nach wie vor hinter dem geplanten Wohnmobilstellplatz, sofern die rechtliche Grundlage dafür bestehe, so Roggenbuck.
Auch wolle er sich mit Schulze noch einmal zusammensetzen, um die bestehenden Differenzen und Beschuldigen auszuräumen. Schulze begrüßt Roggenbucks Vorschlag und hofft auf eine Beendigung der Auseinandersetzungen.

sts