„Der Fuß des weißen Mannes!“

So nannten die amerikanischen Ureinwohner dieses Kraut, das sich in ihrer Heimat nach dem Durchzug europäischer Truppen besonders an Wegesrändern angesiedelt hatte.
Es verbreitet sich nämlich aufgrund seiner klebrigen Samen, die an den Schuhen der Menschen, aber auch an Rädern und Pfoten von Tieren haften bleiben.
Der Name ist abgeleitet von „rich“ = König, also der König der Wege.
Es gibt wohl ca. 200 Wegericharten, aber bei uns kommen vor allem der Spitz- und der Breitwegerich vor. Manchmal sieht man auch den mittleren Bruder (Mittelwegerich).


Insbesondere der Spitzwegerich ist eine alte Heilpflanze. Er wirkt reizmildernd bei Husten (sogar bei Keuchhusten!), zusammenziehend und antibakteriell. Das macht man sich gern zu Nutze bei der Wundheilung und bei Insektenstichen. Sicher kennen Sie bereits das gängige „Rezept“ dazu: wenn eine Mücke oder Wespe gestochen hat, sucht man sich ein Blatt Spitzwegerich, zerkaut es kurz oder zerreibt es einfach und dann auf der Einstichstelle verreiben. Das bringt sofort Linderung.
Oder man sorgt jetzt vor und stellt sich für solche Fälle eine eigene Spitzwegerichtinktur her: Ein paar Blätter klein schneiden, in ein Glas füllen und mit hochwertigem Korn oder Wodka übergießen, bis alles bedeckt ist. 3-4 Wochen an einem kühlen, dunklen Ort ziehen lassen, immer mal schütteln und am Ende in eine dunkle Flasche umfüllen. Oder in einen leeren Deo Roller. Zum Mitnehmen.


Für einen Hustentee kann man jetzt die Blätter sammeln, im lichten Schatten trocknen und dann dunkel und trocken aufbewahren. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie das richtige Kraut finden werden, gibt es entsprechende Teemischungen natürlich auch in Drogerie und Apotheke, so wie auch den Spitzwegerichsirup, dessen Herstellung wohl mehr etwas für fortgeschrittene Kräuterinteressierte ist.
Aufgrund seiner besonderen heilsamen Inhaltsstoffe ist der Spitzwegerich 2014 von Wissenschaftlern der Universität Würzburg zur „Arzneipflanze des Jahres“ gewählt worden.
Aber man kann ihn auch essen! Die Blätter machen sich gut in Wildkräutersuppen, grünen Smoothies, Kräuterquark oder Kräutersalz.
Probieren Sie doch auch mal die Knospen des Spitzwegerichs, leicht angedünstet in Öl oder Butter. Eine tolle Beigabe zu verschiedensten Salatvariationen. Oder Sie sammeln die Samen des Breitwegerichs, wenn sie später ausgereift sind. Eine leicht nussige und vor allem günstige, einheimische Alternative. Ein Superfood sicher nicht nur für den Winter.
Wenn Sie die Blätter des Breitwegerichs für Ihr nächstes Fingerfoodbuffet nutzen, ernten Sie sicher jede Menge überraschte Blicke. Dazu einfach nur die Blätter in Salzwasser oder Brühe kurz blanchieren, abtropfen lassen, eine Füllung Ihrer Wahl hineingeben – egal ob Hackbällchen oder ein Stück Käse – dann den Stiel durch das entgegengesetzte Blattende stecken und fertig ist ein besonderes Fingerfood.
Guten Appetit und bleiben Sie gesund!
Ihre Kräuterfrau vom Lavendelhof in Marquardt