Ein Leben für die Keramik

Fast zehn Jahre lebte Katja Buhlmann in der Prignitz, bevor sie 2015 mit ihrem Lebensgefährten wieder in ihre alte Heimat nach Neu Fahrland zog und dort nur durch Glück einem Brandanschlag entkam.
„Nachts um halb Drei klingelte es bei uns Sturm“, erinnert sich Horst Maaß, Katja Buhlmanns Lebensgefährte, im Gespräch mit dem POTSDAMER. „Ich wollte schon rausgehen und meckern, als ich sah, dass unser Haus in Flammen stand. Der Wachsamkeit des Sohnes unserer Nachbarin haben wir unser Leben zu verdanken. Wir standen fast unbekleidet auf der Straße und konnten nur zusehen, wie die Flammen sich über unser Haus hermachten und wie die Feuerwehr versuchte, ihrer Herr zu werden.“

Katja Buhlmann bei der Arbeit in ihrem Atelier. Fotos: sts

Es war in einer Aprilnacht im Jahr 2018, als große Teile des Einfamilienhauses in dem Neu Fahrländer Sonnenweg 1 in Flammen aufgingen. Auch die erst zwei Jahre zuvor neu eingerichtete Werkstatt von Katja Buhlmann, in der auch eine große Menge ihrer Keramiken standen, wurde ein Opfer der Flammen. „Nachdem die Löscharbeiten beendet waren, konnten wir nur durch eine grau-schwarzen Masse waten. Die meisten Möbel und Gerätschaften waren völlig zerstört“, schildert Katja Buhlmann den Tag nach dem Brand. Viele Keramiken gingen zu Bruch. Wenige konnte Buhlmann retten.

Künstler hören nie auf

Nach fast zehn Monaten beschwerlicher Sanierungsarbeiten war der Schaden am und im Haus weitestgehend behoben und die Werkstatt wieder aufgebaut. Jetzt steht in den neuen Regalen wieder eine große Anzahl an bunt bemalten Kunst- und Gebrauchskeramiken unterschiedlichster Größe. Ob Butterdosen, Vasen, Katzen, Kugeln, Teller oder Kannen, Buhlmann töpfert, wonach ihr gerade ist. Ihr Lieblingsmotiv „die havelländische Landschaft“ findet sich dabei auf vielen der Gebrauchsgegenstände wieder. Ihre Lieblingsfigur, die Katze, gibt es in vielen Größen und Farben.
Ab und zu nimmt die mittlerweile fast 70-Jährige noch kleinere Aufträge entgegen. „Oft sind es kleine Geschenke, die die Leute in Auftrag geben. Doch individuelle Wünsche brauchen Zeit. Drei bis vier Wochen braucht es schon, bis eine fertige Keramik den gesamten Produktionsprozess durchlaufen hat“, sagt Buhlmann.

Auch eigene Stücke dauern bisweilen viele Wochen. „Kreativität ist eben nicht abrufbar. Manchmal muss man darauf warten, bis einen die Muse küsst“, so Lebensgefährte Maaß, der sich vor zehn Jahren von der Leidenschaft zur Töpferei hat anstecken lassen. Dann habe sich aber das Warten auch gelohnt und man sieht die Liebe, die man in jede einzelne Keramik gesteckt hat.

 

Keramik-Igel vor (l.) und nach dem Brand im Ofen (r.): Erst durch den Brand erhält die Keramik ihre eigentliche Färbung

Horst Maaß und Katja Buhlmann mit ihren „Kätzchen“, umgeben von vielen anderen Plastiken in ihrem Garten.

Die Zeiten der großen Produktionsmengen, wie Buhlmann sie noch vor der Wende erlebt hatte, sind schon lange vorbei. „Zu DDR-Zeiten kamen Händler aus dem ganzen Land in unsere Werkstatt in Drei Mohren und kauften uns regelmäßig den Laden leer“, erinnert sich Buhlmann. Sogar Aufträge der Öffentlichen Hand nahm man damals entgegen. „Zu dieser Zeit war hochwertige Keramik noch gefragt. Heute suchen die Leute so etwas nicht mehr. Nichts hat mehr Beständigkeit. Gefällt einem heute nicht, was man gestern gekauft hat, wirft man es weg und kauft etwas Neues. So ist das heute eben“, klingt Buhlmann leicht resigniert. In ihren Arbeiten ist diese Resignation jedoch nicht zu entdecken. Die Figuren sprühen vor Lebensfreude und Energie, fast schon ein bisschen keck schauen viele drein – so wie Buhlmann selbst. Wenn Buhlmann von ihrer Arbeit spricht, funkeln ihre Augen und man sieht ihr die Freude förmlich an.

Katja Buhlmann mit ihrem Kater Mikosch

Farbenfroh und dekorativ. Buhlmanns Keramiken manchen gute Laune.

Die Mutter war schuld

Als Kind schaute Katja Buhlmann stundenlang ihrem Vater Hans-Joachim († 2008) beim Malen an der Staffelei zu, während auch sie ihre künstlerischen Fertigkeiten entwickelte. Später wuchs in ihr der Wunsch, Kinderbuchillustratorin zu werden. „Das Studium dazu wurde mir trotz Abitur allerdings verwehrt, weil ich aus einem Hause kam, das den damaligen Entscheidern doch politisch zu kritisch daherkam. So begann ich mit 18 Jahren eine Lehre als Maschinenbauschlosserin in dem Babelsberger Karl-Marx-Werk, um erst einmal überhaupt etwas zu machen“, beschreibt Buhlmann ihre ersten Schritte ins Berufsleben.
Ihre Mutter, Carola († 2014), die lange Zeit als Trickfilmzeichnerin bei der DEFA arbeitete, hatte sich inzwischen als Keramikkünstlerin selbstständig gemacht. Katja Buhlmann gefiel diese Art der künstlerischen Arbeit so sehr, dass sie mit 22 Jahren eine Töpferlehre im thüringischen Bürgel begann. Von da an bestimmte die Töpferei Buhlmanns Leben.

Im kommenden Jahr wird Buhlmann Ihr Atelier und den mit Plastiken reichbestückten Garten im Rahmen des Offenen Ateliers für jedermann zugänglich machen. Wer möchte, kann sie jedoch auch schon vorher besuchen und die breite Vielfalt der Exponate bewundern.

sts

www.buhlmann-keramik.de